Wetzlar hat ein Herz aus Stahl

Symbolfoto: Pixabay
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Oberbürgermeister Wagner zeigt sich von dem bevorstehenden Arbeitsplatzabbau bei Buderus Edelstahl betroffen. Lesen Sie hier seine Stellungnahme dazu in voller Länge: Mit großer Betroffenheit habe ich die Entscheidung der voestalpine AG zum bevorstehenden Restrukturierungsprozess bei Buderus Edelstahl und insbesondere die Tatsache, dass 325 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, aufgenommen.

Auch wenn die Notwendigkeit, Kurzarbeit durchzuführen bereits in den zurückliegenden Monaten kein gutes Omen war, so bedeutet die nunmehrige Entscheidung kurz vor Weihnachten eine besondere Härte für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihre Angehörigen. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den vom Verlust ihrer Arbeitsplätze bedrohten Menschen.

 

Wissend, dass die kommunalpolitischen Möglichkeiten in dieser Situation zur Entlastung und Entspannung beizutragen, eher begrenzt sind, habe ich sowohl der örtlichen Betriebsleitung von Buderus Edelstahl, als auch der IG Metall und dem Betriebsrat meine jederzeitige Gesprächsbereitschaft angeboten.

 

„Schließlich ist die Industriegeschichte unserer Stadt eng mit der Stahlproduktion verbunden. Wir sind ein Stahlstandort in den die voestalpine AG in den zurückliegenden Jahren massiv investiert hat und wollen Stahlstandort bleiben. Wetzlar hat ein Herz aus Stahl“, so Manfred Wagner.

 

In den kommenden Gesprächen erwarte ich selbstverständlich, dass die Unternehmensleitung alles daran setzen wird, um die sich abzeichnenden Veränderungen so sozialverträglich als irgend möglich umzusetzen. Dazu gehören auch Instrumente, wie zum Beispiel die Bildung von Transfergesellschaften für die betroffenen Fachkräfte.

 

Aber nicht minder fordernd muss die Erwartung gegenüber der Bundespolitik und der Europäischen Union sein. Das, was wir gerade verspüren müssen, was am Ende auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgetragen wird und was auch geeignet ist unternehmerische Investitionsentscheidungen zu entwerten, hat seine Grundlage in der industrie- und handelspolitischen Ausrichtung unseres Wirtschaftsraumes und der Entwicklung auf dem Weltmarkt zu tun.

 

Es stellt sich zum einen aber die Frage, ob wir auf in jeder Hinsicht „sauberen, qualitativ hochwertigen Stahl“, der in Deutschland bzw. im benachbarten Europäischen Wirtschaftsraum produziert wird, setzen, oder diesen Teil der Wertschöpfung den asiatischen Volkswirtschaften überlassen. Letztere produzieren unter anderen Arbeitsbedingungen und unter Beachtung weniger anspruchsvoller Umweltbedingungen. Wir sollten als Volkswirtschaft auf unsere hohen Standards setzen, gerade auch mit Blick auf die aktuelle Diskussion zur Klimaveränderung.

 

Zum anderen braucht unsere sehr stark mit der Automobilindustrie verwobene Wirtschaftsregion bei allen Erwartungen an die unternehmerische Verantwortung auch eine klare Ausrichtung, wohin seitens der Bundespolitik die Reise geht. Schließlich sind wir nicht in einem Versuchslabor unterwegs. Dafür ist der Einsatz aller Beteiligten viel zu hoch.

 

 

Und wenn eine Schlüsselindustrie auf der Kippe steht, dann erwarte ich von Bund, Land und EU, dass  wir in jeder Beziehung ehrlich miteinander und mit den Menschen umgehen. Dies schließt für mich eine klare Abschätzung der kurz-, mittel- und langfristigen Perspektiven und am langen Ende gegebenenfalls auch die Forderung ein, dass Stahlstandorten - ähnlich wie bei der Frage der Kohlestandorte in unserem Land – Ressourcen bereitgestellt werden, um Strukturanpassungen gestalten zu können. Dies kann und darf keine Aufgabe sein, die alleine vor Ort zu regeln ist.